„Gleiche Chancen!? – Asthma in der Schule“

Chronisch kranke Kinder in der Schule

Die Fortschritte in der Medizin der letzten Jahrzehnten haben dazu geführt, dass viele Kinder und Jugendliche mit einer chronischen Erkrankung die Chance erhalten haben, im gleichen Maße wie andere Gleichaltrige am Leben und auch am Schulleben teilzunehmen.

Dennoch müssen die betroffenen Kinder und Jugendlichen im familiären und im Schulalltag auf bestimmte Dinge achten. Um den Einschränkungen, die die chronischen Erkrankungen mit sich bringen können, zu begegnen, ist die vorbeugende Therapie strikt einzuhalten. Das bedeutet vielfach zusätzlich Zeit- und Kraftaufwand – auch während der Schulzeit, da dann die Behandlungsmaßnahmen kontinuierlich fortzusetzen sind.

Die Krankheiten können natürlich auch ein Handikap für die physische und psychische Entwicklung des Kindes sein. Dieser Gefahr ist von Seiten der Eltern zusammen mit Therapieexperten entgegenzuwirken. Lehrer können dabei einen wesentlichen Beitrag leisten.

Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass die chronische Erkrankung sich nicht derart belastend auswirkt, dass die normale Teilnahme am Schulalltag für diese Kinder/Jugendliche reduziert oder sogar unmöglich wird. Das ist in Zusammenarbeit aller an der Behandlung Beteiligten und unter Mitwirkung der Lehrer durchaus möglich, so dass die mit der Erkrankung verbundenen Handikaps nicht unbedingt zur Stigmatisierung führen.

Die Aktion „Gleiche Chancen?! – Asthma in der Schule“ greift paradigmatisch das Asthma bronchiale als häufigste chronische Krankheit im Kindesalter auf, um zu zeigen, wie auch im Schulalltag Unterstützungen möglich sind und somit eine Chancengleichheit in Bezug zu anderen Gleichaltrigen gewährleistet werden kann.

Asthma bronchiale in der Schule

Asthma bronchiale stellt mit einer Prävalenz von etwa 10 Prozent die häufigste chronische Krankheit im Kindes- und Jugendalter dar. Gerade bei dieser chronischen Erkrankung sind mit der Weiterentwicklung der Medikamente und der Optimierung therapeutische Stufenpläne sowie mit der strukturierten, qualifizierten Schulung der Familien Bausteine entwickelt worden, die heute ein adäquates Management der Akut- und Dauertherapie im ambulanten Bereich ermöglichen.

Vor dem Hintergrund der Prävalenz ist davon auszugehen, dass jeder Lehrer pro Schulstunde – je nach Klassengröße – 2 bis 5 von Asthma betroffene Kinder/Jugendliche zu betreuen hat.

Zwar erfolgt die Dauertherapie beim Asthma bronchiale meist im häuslichen Bereich, d.h. außerhalb der Schulzeit. Dennoch kann es in der Schule erforderlich werden, dass die Betroffenen vorbeugend das dafür geeignete Medikament verwenden müssen, vor allem vor der Sportstunde oder beim Spiel in den Pausen, bzw. bei anderen körperlichen Belastungen. Darüber hinaus muss der Schüler wissen, wie er sich bei Atemnot mit der Notfalltherapie selbst helfen kann.

In all diesen Fällen können situativ Unterstützungen durch die Klasse und/oder durch den Lehrer notwendig werden. Darauf sollten alle, Mitschüler und Lehrer, vorbereitet sein.

In einer Umfrage des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V. von 2002 ergaben sich noch deutliche Benachteiligungen für Schüler mit Asthma bronchiale:

  • Vielen Lehrern ist die Häufigkeit des Asthma bronchiales unbekannt, die Anwesenheit von Kindern und Jugendlichen mit Asthma bronchiale in den Klassen wird deutlich unterschätzt.
  • Knapp ein Drittel der Sportlehrer gab an, dass Schüler/Innen aufgrund ihres Asthmas vom Sportunterricht befreit waren – fast in allen Schultypen gleichermaßen.
  • Die Befreiung vom Sportunterricht geschah meistens auf Anraten des behandelnden Arztes (56 %), aufgrund elterlicher Intervention (30,5 %) oder aber aufgrund eines Ausschlusses durch den Sportlehrer (10 %).
  • Zwei Drittel der Lehrkräfte sahen sich nicht in der Lage, ihren Schülern bei einem Asthmaanfall kompetent Erste Hilfe zu leisten.
  • Über 80 Prozent der Lehrer/Innen schätzten sich selbst als ungenügend informiert ein; lediglich 8,4 Prozent hatten bereits an einer Asthmaschulung teilgenommen.
  • 89 Prozent der Lehrer würden an einer Asthmaschulung teilnehmen.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben darüber hinaus ergeben, dass Kinder bzw. Jugendliche mit Asthma immer noch ein dreimal so hohes Risiko von Schulfehltagen haben wie Kinder ohne Asthma. Fast 30 Prozent der asthmatischen Kinder haben Aktivitätseinschränkungen, verglichen mit nur 5 Prozent ohne Asthma. Wissen um das Krankheitsbild und dessen Symptomauslöser, Notfalltherapie und Möglichkeiten einer Unterstützung im Schulalltag sind in mehreren Untersuchungen als völlig unzureichend erfasst worden: Gleichwohl liegt hier sicher kein Verschulden der Lehrerschaft vor. Die Ursache dieses Wissensdefizits ist im Studium oder in der Referendarausbildung zu suchen. Hier werden entweder keine oder nur marginale Kenntnisse für den Umgang mit chronisch erkrankten Kindern im Schulalltag vermittelt.

Ziel der Aktion „Gleiche Chancen?! – Asthma in der Schule“

Die Aktion „Gleiche Chancen?! – Asthma in der Schule“ hat sich zum Ziel gesetzt, bestehende Nachteile für die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu verringern, diese Nachteile auszugleichen und zusammen mit den Schulen eine Basis für eine Chancengleichheit dieser Schüler zu schaffen, so dass die Schüler trotz der chronischen Erkrankung den ihnen gemäßen Schulabschluss erreichen können, um gleichberechtigt am sozialen Leben in Schule und Freizeit teilhaben zu können und eine Perspektive ohne gesundheitliches Handikap zu haben.

Geschrieben von Redaktion | Zuletzt bearbeitet am 03.03.2013 13:29